Max Clarenbach

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Max Clarenbach zählt heute zum Urgestein der Düsseldorfer Malerschule der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er studierte von 1893 bis 1903 an der Düsseldorfer Kunstakademie. D. h. bereits mit 13 Jahren hatte er so viel Talent offenbart – Andreas Achenbach soll zuerst darauf aufmerksam geworden sein- dass er die Akademie besuchen konnte. Nach dem Besuch der Elementarklasse rückte er 1897 in die Landschaftsklasse von Eugen Dücker auf, die er bis 1903 besuchte.

Eugen Dücker ist für die Entwicklung der Düsseldorfer Landschaftsmalerei insgesamt auf dem Weg in die Moderne von eminenter Bedeutung. 44 Jahre lang - von 1872 bis zu seinem Tod 1916 - unterrichtete er Landschaftsmalerei an der Düsseldorfer Akademie und hat in dieser Funktion die Grundlagen des Naturalismus, Impressionismus und Spätimpressionismus an Generationen von Schülern weitergegeben. Seine künstlerische Wirkung war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts erkennbar – so lange, wie seine letzte Schülergeneration selbst tätig war. Dückers Malerei und Lehrtätigkeit bildet auch das Fundament, auf dem das umfassende Oeuvre Clarenbachs gründet.

Man darf die Jahre als Akademieschüler nicht als bloße Lehrjahre verstehen. Schon während dieser Zeit beteiligte sich Clarenbach oft an Ausstellungen, hatte erste Erfolge und mietete 1900 ein eigenes Atelier an. Wenn man sich vorstellt, dass er bereits 1908 ein eigenes Atelierhaus in Wittlaer, nördlich von Düsseldorf direkt an den Rheinauen gelegen, errichten ließ, dann kann man erkennen, wie früh der Erfolg bei ihm einsetzte.

So war der Abschied von der Kunstakademie 1903 wohl in erster Linie noch ein formaler Akt. Rasch folgten Ausstellungsbeteiligungen und Hervorhebungen in der Presse. Eine erste Sonderausstellung seines Werks wurde 1914 in Berlin gezeigt. Im Ersten Weltkrieg hatte er das Glück, nur Ersatzdienst leisten zu müssen, eine kurze Zeit war er auch als Kriegsmaler im Osten eingesetzt. Doch mit der Ernennung zum Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie 1917 war für ihn der Weltkrieg beendet. Er trat damit die Nachfolge seines Lehrers Eugen Dücker an, der ihn selbst für diese Position empfohlen hatte.

Das Amt übte er bis 1945 aus, also fast 30 Jahre lang. Dennoch sind daraus keine bedeutenden Maler mehr hervorgegangen. Der Spätimpressionismus, den Clarenbach bis zum Lebensende praktizierte und an seine Schüler weitergab, hatte die innovative Kraft verloren und wurde eine Generation später zunehmend epigonal. Bis zum Ersten Weltkrieg engagierte sich Clarenbach im Ausstellungsbetrieb. Er vertrat hier mit einigen Künstlerkollegen eine avantgardistische Ausrichtung. Den Höhepunkt und Abschluss dieses Engagements für die Propagierung der modernen Kunst war seine Mitwirkung in der Jury der berühmten Sonderbundausstellung in Köln 1912. Deren Absicht bestand in den Worten seines Jury-Kollegen August Deusser darin, „das Suchende, Ringende und Kommende in der Malerei“ zu präsentieren und nicht arrivierte Positionen.

Die Kölner Ausstellung von 1912, deren Ausrichtung Düsseldorf abgelehnt hatte, war ein Fanal der Moderne und Clarenbach verstand sich dabei als Teil dieser Bewegung.

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Künstlerischer Durchbruch

Künstlerischer Durchbruch

Seit 1895 reiste Clarenbach immer wieder in die Niederlande, so wie es seit längere Zeit schon bei den deutschen Plein-air-Malern verbreitet war. Einer der Vorreiter war hier Max Liebermann, der sich wiederum von den naturalistischen Malern der Haager Schule angezogen fühlte. So war es für Düsseldorfer Künstler um 1900 normal, in den Niederlanden Meer, Dünen und das Leben der einfachen Leute in Bildern festzuhalten. Ihn interessierten die Stimmungen, die verschiedene Wetterlagen in der Wahrnehmung der Landschaft evozierten.

Für Maler besonders ergiebig war da schlechtes Wetter mit Sturm und dunklen Wolken. So freute sich Clarenbach einmal in einem Brief aus Holland, als er von acht Tagen Sturm, Gewitter und Donner berichten konnte, was er ganz famos fand, während an einem anderen ganz gemeinem blauen Tag für ihn an malen gar nicht zu denken war.

Den künstlerischen Durchbruch erlebte Clarenbach auf der Düsseldorfer Gewerbeausstellung von 1902. In dem damals für diesen Zweck erbauten Kunstpalast, der später für den heute existierenden Ehrenhofkomplex zurückgebaut wurde, zeigte er das Gemälde „Der stille Tag“ (heute Museum Kunstpalast). Für das große Gemälde von 1,70 mal 2,50 Meter wurde ihm im folgenden Jahr in Wien die „Große Goldene Staatsmedaille Österreichs“ verliehen. Er hat es später mehrfach in verkleinerter Fassung wiederholt.

Es zeigt bereits die wesentlichen Züge, die für einen großen Teil seines späteren Werks typisch wurden. Man kann sich vorstellen, was das Publikum an dem Bild faszinierte, vielleicht auch ein wenig ratlos stimmte: Es ist die vollkommene Schlichtheit der Darstellung in Verbindung mit dem repräsentativen Großformat. Mit reduzierter, fast monochromer Farbpalette und wenigen Motiven zieht es den Betrachter in den Bann. Außer Grau und Ocker finden sich keine Farben darin, diese allerdings in einer reichen Nuancierung, wie sie erforderlich ist, um eine Naturstimmung differenziert auszudrücken.

Es ist ja keine heitere Stille, sondern eine zutiefst melancholische Stille, die den Betrachter einfängt. An einem trüben Wintertag folgt der Blick der Erft in Richtung Neußer Hafenbecken in die Bildtiefe. Schemen der Stadt tauchen am Horizont auf. Das Ufer besteht aus tristen schneebedeckten, weißlich und in Ocker schattierten Flächen. Zwei Boote liegen verlassen im Wasser. Der japanische Farbholzschnitt, der auf viele Maler der Klassischen Moderne Einfluss ausübte, hat auch hier unverkennbar Eindruck hinterlassen.

Clarenbach konnte solche Ukiyo-e z. B. in der Sammlung seines Malerfreundes Gustav Wendling sehen. Der Eindruck der Stille, die schon im originalen Bildtitel genannt ist und offenbar ein Hauptanliegen des Künstlers darstellte, wird durch die rationale Komposition des Bildes unterstrichen, wie Siegfried Weiß in seinem Buch über Clarenbach schematisch vorführt (Max Clarenbach, 2012, S. 13).

Dass solche Bilder, wenn auch nicht dieses, auch unter freiem Himmel bei Wetter und Kälte entstanden, zeigt ein Porträt des Künstlers, gemalt von Wilhelm Schmurr, aus dem Jahr 1906. In dicker Montur mit Wintermütze sieht man Clarenbach an einem verschneiten Flussufer vor der mit Seilen im Boden gesicherten Leinwand stehen. 

Die zahllosen Werke, die diesem Typus folgen, zeichnen sich stets durch wenige Motive aus: Wiesen, einzelne Bäume oder Baumgruppen, Wasserflächen, Fischerkähne mit Reusen und gelegentlich schattenhaft darauf agierende Fischer, bewölkter Himmel und, ganz wichtig, die Spiegelung von Himmel und Bäumen auf der Wasseroberfläche. Die Stimmung ist stets irgendwie still, beinahe mit  Tendenz zur Trostlosigkeit, so dass der Titel des Initialwerks von 1902 „Der stille Tag“ im Grunde auf alle folgenden übertragbar wäre. Der minimalistische Farbkanon unterstreicht die Absicht des Künstlers: Stufungen aus Grau und Ocker überwiegen, wenige Abmischungen mit Rot, Grün und Blau können hinzutreten.

Dieses Vorgehen ist typisch für den deutschen Impressionismus, der nur selten als Hellmalerei, man kann auch sagen Buntmalerei, nach französischem Vorbild auftritt. Doch auch das kommt bei Clarenbach vor. Ein schönes Beispiel ist die Frühlingswiese mit blühenden Kirschbäumen und strahlendblauem Himmel, bei der Clarenbach durch eine Farbsetzung in Komma- und Punkttechnik das Flirren des Lichts zum Ausdruck bringt. (Abb.) Mehrere Bilder seines Wittlaerer Gartens gehen ebenfalls in die bunte Richtung. 

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Maler der Rheinauen

Maler der Rheinauen

Die Entdeckung der Rheinauen nördlich von Düsseldorf Richtung Duisburg, wo man vom Rheinland zum Niederrhein kommt, wurde für Clarenbach zum Schlüsselerlebnis, das sein gesamtes Werk prägte. 1899 wohnte er für zwei Wochen im Lokal Brand’s Jupp und aus dem Jahr stammen auch die frühesten bekannten Aquarelle mit Motiven von den Rheinauen bei Wittlaer.

1908 ließ er sich außerhalb des alten Ortskerns von Wittlaer auf wenig bebautem Gebiet am Hochufer des Rheins ein stattliches Wohnhaus von Josef Maria Olbrich errichten (heutige Adresse An der Kalvey 21). Von nun an hatte er die Aussichten, die er so sehr liebte, täglich vor Augen:

Über eine Tiefe von rund 200 Metern erstreckte sich der Blick über das Vorflutgelände des Rheins auf den Rhein und in Richtung Nierst auf dem gegenüberliegenden Ufer. Das Vorflutgelände ist ein breiter Wiesenstreifen entlang des Rheins, der zu Hochwasserzeiten überflutet wird. Darauf reihen sich vereinzelte Kopfweiden, Erlenbüsche und große Silberpappeln, die das Ufer des kaum sichtbaren Schwarzbachs säumen. In der Nähe liegt das berühmte Künstlerlokal Brand’s Jupp, in dem Clarenbach verkehrte.

Mit diesem Panorama vor Augen wird deutlich, was den Künstler einen großen Teil seines Lebens angetrieben hat. Über die Jahreszeiten und über die Jahre und Jahrzehnte hat er diese motivarme, unspektakuläre, für den Fremden zunächst eintönig wirkende Landschaft in all ihrem Reichtum und den Stimmungsfacetten stets aufs Neue ergründet, ihr ihr Geheimnis abgelauscht, und im Bilde festgehalten. Seit Monet und seinen Serienbildern von Heuhaufen und Kathedralen wissen wir, dass nicht immer die Repräsentation eines Motivs Bildzweck sein muss, sondern dieser ebenso gut in der Umsetzung einer gesehenen Erfahrung in eine ästhetische Erfahrung liegen kann.

Dem Wohnhaus, das auch ein großes Atelier mit Glasdach enthielt, zur Straße hin vorgelagert war ein gegliederter Garten, den Clarenbach mehrfach in buntem Sommerkleid malte. Der Garten, der ebenfalls von Olbrich entworfen wurde, stellte sich als „Farbengarten“ (Olbrich) dar. Er ist heute nicht mehr zu sehen. Seine Gestaltung bezog Bänke, Stufen, Mauern und Pergolen ein, Blumen waren nach Blütenfarben geordnet, Bereiche mit Obstbäumen bestückt – im Grunde eine Anlehnung an alte Bauerngärten.

Über die Rheinauen zwischen Kaiserswerth und Bockum hinaus bezog er auch das Hinterland von Kalkum und Angermund in den Motivradius mit ein. Die dort entstandenen Landschaften sind topografisch meist schwer zuzuordnen. Bei aller Heimattreue darf nicht vergessen werden, dass Clarenbach  ebenso in den Niederlanden, an der deutschen Nord- und Ostsee, im Westerwald, Sauerland, Schwarzwald, Oberbayern, in den Bergen des Schweizer Engadin, in Italien, Frankreich und England malte, und zwar nicht nur Landschaften, sondern auch Stadt- und Architekturmotive und Figurendarstellungen aus den Bereichen Theater, Sport und Stadtleben.

Dieser ungemein vielseitige, dabei seiner Überzeugung, dass Stimmung und Atmosphäre Vorrang vor Motivschilderung haben, treu gebliebene Künstler verdient es, in seiner ganzen modernen Ausrichtung wieder stärker beachtet zu werden. Dabei war er selbst nicht ganz unschuldig daran, dass er mit seinem Tod schon praktisch vergessen war und seine Werke vor allem als großbürgerlicher Wohnzimmerschmuck wahrgenommen wurden, auch dass aus seiner Jahrzehnte langen Lehrtätigkeit an der Düsseldorfer Kunstakademie keine bedeutenden Maler mehr hervorgegangen sind.

Allzu lange hatte er, dessen malerische Konzepte in der Aufbruchstimmung um 1900 wurzelten, an dem Stil festgehalten, der irgendwann Konvention geworden war.  

Benutzte Literatur:
Siegfried Weiß, „Haus und Garten von Max Clarenbach in Wittlaer“, Heimatjahrbuch Wittlaer 2005
Dietrich Clarenbach, Beitrag zum 120. Geburtstag von Max Clarenbach, Heimatjahrbuch Wittlaer 2000

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